Luftgewehre – Funktion und Aufbau

Luftgewehre (Luftdruckgewehre) treiben ihre Geschosse durch Druckluft oder ein anderes komprimiertes Gas an. Es findet keinerlei Verbrennung statt, das Gas wird rein mechanisch verdichtet. Die Leistung der Luftgewehre ist daher geringer als die von Feuerwaffen: Sie können bei den kleinen, in Deutschland gesetzlich erlaubten Kalibern im Prinzip keine tödlichen Wunden zufügen. Es gibt allerdings unter anderem in den USA auch größere Kaliber, die sich durchaus für die Jagd eignen.

Wie funktionieren Luftgewehre?

Es gibt Einzellader- und Mehrladerluftgewehre. Diese folgen jeweils verschiedenen Funktionsprinzipien:

  • Federspeicher: Bei den Systemen mit einem Federspeicher wird vor dem Schuss eine starke Feder gespannt, die beim Auslösen einen Kolben in eine Luftkammer drückt, wobei ein Druck von rund 150 bar entsteht. Dieser treibt die Kugel an. Es handelt sich um eine einfache und robuste Konstruktion, die bei Freizeitwaffen oft zum Einsatz kommt.
  • Gas-Ram-System: In diesem Fall wird der Kolben durch ein Luftpolster angetrieben, das der Schütze durch das Spannen erzeugt.
  • Kipp- oder Knicklaufsysteme: Der Lauf fungiert als Federspannhebel.
  • Spannhebel oben mittig: Diese Variante ist oft auf Rummelplätzen anzutreffen, das bekannteste Modell dieser Art ist das Weihrauch HW 77.
  • Seitenspanner: Der Spannhebel ist seitlich am Waffengehäuse angebracht. Bekannte Modelle sind Haenel 312 und Feinwerkbau Modell 300.
  • Doppelkolben: Zwei Kolben arbeiten gegenläufig für den Luftdruck und heben dadurch den Rückschlag auf (Dianawerk Modelle 60, 65, 66 und 75).
  • Rücklaufsystem mit Federunterstützung: Ein federunterstützes Rücklaufsystem verhindert den Rückschlag (Diana 54 Airking, FWB 150, 300 und 300S).
  • Luftpolster zu Auffangen des Systemrücklaufs: Um den Prellschlag beim Systemrücklauf aufzufangen, eignet sich auch ein Luftpolster (Anschütz 220 und 250). Dieses System setzte sich nur wenig durch.
  • Systeme mit Gasdruckspeicher: Komprimiertes Gas (CO₂) kommt aus einem Druckgasbehälter an der Waffe. In der Regel ist dieser eine Kartusche mit flüssigem CO₂.
  • Pumpsystem: In diesem Fall pumpt der Schütze mit mehreren Huben einen Drucklufttank auf. Das Prinzip ist schon sehr lange bekannt (sogenannte Windbüchse).
  • Pressluftsysteme: Hier liefert den Druck eine Druckluftkartusche. Der englische Begriff ist PCP (Pre-Charged Pneumatic).

Geschosse und Kaliber der Luftgewehre

Druckluftgewehre sind überwiegend bis ausschließlich Kleinkaliberwaffen (je nach Rechtslage im betreffenden Land). Die Geschosse sind entweder „Diabolos“ (etwa in der Art eines Doppelzylinders, wobei die beiden Zylinderhälften mit der Spitze aufeinander stehen) oder auch schlichte Kugeln. Im Sportschießen mit Luftgewehren ist das Kaliber 4,5 mm (.177 = 0,177 Zoll) am meisten verbreitet, gefolgt von 5,5 mm (.22) und etwas seltener 6,35 mm (.25) oder 5,0 mm (.20). Global gesehen gibt es deutlich größere Kaliber, die aber hierzulande nicht erlaubt bzw. waffenscheinpflichtig sind. Dazu zählt das am meisten verbreitete Kaliber 12,7 mm (.50). In Südkorea werden viele solcher Luftdruckwaffen produziert. Sie benötigen mehr als 7,5 Joule an Druck. Das ist die Grenze, die in Deutschland für Luftdruckgewehre im freien Verkauf (ohne Waffenschein) gilt. Die Rundkugeln haben kleinere Kaliber von 4,4 bis 4,5 mm. Darüber hinaus gibt es noch Haar- oder Federbolzen, mit denen sich auf kurze Distanz auf Dartscheiben schießen lässt. Hierfür sind spezielle Waffen erforderlich.

Rechtslage in Deutschland zu Luftgewehren

In Deutschland dürfen Druckluftwaffen maximal 7,5 Joule Mündungsenergie abgeben, wenn sie durch Personen ab dem 18. Lebensjahren frei erworben werden. Hierfür müssen sie den Stempel „F-im-Fünfeck“ tragen. Sollte sie der Besitzer in der Öffentlichkeit geladen und schussbereit (zugriffsbereit) tragen, benötigt er einen Waffenschein. Wenn die Waffe nicht schuss- und zugriffsbereit ist, entfällt diese Voraussetzung. Das Schießen im privaten Umfeld ist bei Einhaltung entsprechender Vorsichtsmaßnahmen ohne besondere Erlaubnis gestattet. Zu diesen Vorsichtsmaßnahmen gehört, dass die Kugeln einen befriedeten Bereich nicht verlassen können. Die entsprechende Regelung findet sich im Waffengesetz § 12 Absatz 4, Nr. 1. Des Weiteren muss es sich um eine Luftdruckwaffe mit einer Mündungsenergie mit maximal 7,5 Joule handeln. Für mehr Druck und dementsprechend größere Kaliber ist eine Waffenbesitzkarte erforderlich. Von dieser Regelung ausgenommen sind ältere Gewehre, die in der DDR produziert wurden. Im Schießsport dürfen Kinder ab vollendetem 12. Lebensjahr mit Luftdruckwaffen schießen. Durch eine Ausnahmegenehmigung kann das Alter auf 10 Jahre herabgesetzt werden.

Zieleinrichtungen

Die einfachste Zieleinrichtung ist Kimme und Korn, sie ist bei Rummelgewehren nach wie vor gebräuchlich. Die Kimme liegt hinten, es ist eine rechteckige, U-förmige Aussparung. Sie muss mit dem Korn vorn an der Oberkante des Laufes und mit dem Ziel in Übereinstimmung gebracht werden. Dabei soll der Schütze beim Zielen die beiden Oberkanten von Kimme und Korn auf eine Linie bringen („gestrichen Korn“). Die Treffergenauigkeit gemäß der Entfernung zum Ziel kann durch Verschieben der Kimme um wenige Millimeter einreguliert werden. Die Linie von Kimme und Korn soll den unteren Rand des Schießscheibenringspiegels begrenzen („Ringspiegel aufsitzen lassen“) oder direkt unter die Mitte (schwarzer Punkt, 10) gebracht werden. Bei entsprechend genauer Entfernungseinstellung funktioniert das. Die im Schießsport verwendeten Wettkampfwaffen verfügen über eine genauere Zieleinrichtung aus einem hinteren Diopter und einem vorderen Ringkorn im Korntunnel. Das Ringkorn kann unterschiedlich groß sein und deckt damit eine unterschiedlich große Fläche der Schießscheibe ab. Die Zieleinrichtung kann zudem mithilfe von farbigen Einlagen das einfallende Licht filtern. Sehr moderne Ringkorntunnel haben eine verstellbare Iris für die Anpassung an die Lichtverhältnisse. Wiederum lässt sich das Gewehr auf die genaue Entfernung einjustieren. Die Einstellung kann für die Höhen- und Seitenlage erfolgen. Durch Drehknöpfe ist sie sehr genau möglich, sodass sich gegebenenfalls auch Windverhältnisse berücksichtigen lassen. Diese können für die vergleichsweise leichten Geschosse der Luftgewehre entscheidend sein. Freizeitschützen setzen auch Zielfernrohre ein. Die Treffergenauigkeit eines Luftgewehrs hängt stark von seiner Konstruktion (siehe oben) und nicht zuletzt von der Schaftung (nächster Abschnitt) ab. Konstruktiv erweisen sich Knicklaufgewehre oft als unpräzise, wenn ihr Lauf nicht absolut präzise verriegelt wird. Die Modelle mit einem feststehendem Lauf, die über einen separaten Spannhebel geladen werden (unter anderem das HW77) gelten hingegen als sehr genau und erlauben zumindest mit einem Zielfernrohr auch dem Freizeitschützen einen sehr präzisen Schuss.

Schäftung

Luftgewehre haben verschiedene Schäftungen, die sich idealerweise an den Schützen anpassen. Im Schießsport wählen die Schützen ihre Schäftung individuell, weil sie ein bestimmtes Gewicht und eine bestimmte Balance präferieren. Das heute übliche Material ist CNC-gefrästes oder gegossenes Aluminium mit Anbauten aus Kunststoff. Moderne Schäfte lassen sich in der Länge, im Winkel und in der Öffnung der Schaftkappe stufenlos verstellen. Auch Schrägstellungen und seitliche Auslagerungen sind üblich.

Schalldämpfer

Für Luftgewehre gibt es Schalldämpfer. Juristisch werden sie wie die Gewehre selbst behandelt. In Deutschland gilt daher: Ein Schalldämpfer für eine Waffe bis 7,5 Joule Mündungsenergie kann jedermann ab dem 18. Lebensjahr frei erwerben. Eigenbauten sind unzulässig.

Geschichte der Druckluftwaffen

Druckluftwaffen gibt es schon seit der Antike. Belegt sind frühe Bauten aus der Zeit um 250 v. Chr., sie stammten vom griechischen Erfinder Ktesibios von Alexandria. Aus dem Jahr 1580 ist eine Windbüchse erhalten. Im 19. Jahrhundert wurden Luftdruckgewehre in Amerika als Sportwaffen populär. Den Einsatz von CO2 anstelle von Luft entwickelte Paul Giffard im späten 19. Jahrhundert. Immer wieder gab es auch großkalibrige Luftdruckgewehre für militärische Einsätze. Bis heute kommen einige von ihnen bei der Jagd auf Mäuse, Ratten und Vögel zum Einsatz. Überwiegend dienen sie aber dem Wettkampf und der Unterhaltung.